Wie geht Achtsame Kommunikation?

Liebe SEIN Partner und Mitglieder, wir alle bemerken es immer wieder. Kommunikation, wenn sie unachtsam geführt wird, kann uns aus dem Gleichgewicht bringen und unsere Intentionen - einer wohlwollend-geführten Unterhaltung - in Staub auflösen. Dabei geht es nicht nur um die externe Kommunikation, sondern vor allem um die Kommunikation, die sich in uns selbst abspielt. Hierzu schrieb ich ein sehr passendes Kapitel in meinem Buch: „A Walk to Be“, welches im Frühjahr 2021 erscheinen wird. Dieses Kapitel möchte ich dir an dieser Stelle nicht vorenthalten, da es das Thema bewusste & achtsame Kommunikation sehr plastisch und hoffentlich verständlich anfässt.

 

Versuche, diese 2. Kolumne nicht unbedingt mit deinem Verstand zu lesen; sondern erlaube dir jetzt nicht denken zu müssen. Versuche, wenn du so willst den Text nicht „Zu TUN“, sondern lese ihn vielleicht mit der Präambel ihn nicht verstehen zu müssen. Am Ende geht es um nichts. Viel Spass beim Lesen. Sven Kaven

 

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Aus dem Buch: „A Walk to Be" - Kapitel: 22 - Bist du wirklich blockiert

 

Ich schaue auf mein Skript und es sind mittlerweile 53.494 Worte. Das zumindest teilt mir mein Schreibprogramm mit. Geschlagene 15 Minuten habe ich jetzt vor meinem Rechner gesessen und überlegt, wie dieses Buch jetzt weitergeschrieben werden möchte. Die Antworten wollen einfach nicht kommen und natürlich können sie sich nicht zeigen. Ich versuche mich ja in das Buch reinzudenken, wenn es doch immer nur geschrieben wird, wenn meine Finger über die Tastatur fliegen. Und so lasse ich sie auch jetzt wieder genau das tun, was sie am besten können. Ich lasse sie schreiben, was sie gerade sagen wollen. Wie viel Zeit verbringe ich damit, darüber nachzudenken, was wohl geschrieben werden soll, anstatt genau diesem Prozess eine Stimme zugeben.

 

Es gibt keine Schreibblockaden, sondern nur eine unterbrochene Verbindung zum kreativen Zentrum. Und so schreibe ich darüber, wie es sich anfühlt, wenn ich mich selbst sabotiere. Doch wer ist „Ich“ und wer ist das „Selbst“? Es scheint so, als ob es zwei Entitäten sind; zwei völlig voneinander existierende Dinge, die sich irgendwie aufeinander beziehen. Aber ist das wirklich wahr und warum stoppt es mich vom Schreiben? Dieser letzte Satz ist im Grunde auch der größte Blödsinn, denn er versinnbildlicht diese Unterbrechung zu dem, was ich hier gerade tue. Ich schreibe, und ich schreibe mit flinken Fingern, kaum wahrnehmbar, wie sie über die Tastatur fliegen. Immer wieder schleichen sich Worte ein, die nicht getippt wurden, denn die Gedanken und das, was geschrieben werden will, sind schneller als die damit verbundene mechanische Aktion. Es fühlt sich befriedigend, aber vor allem frei an, seinen Gedanken, die eh hier sind diese Plattform zu geben. Man kann es wirklich nur verstehen, wenn man es selbst tut.

 

Kennst du das? Du siehst jemanden, den du aus Sympathie oder Interesse ansprechen möchtest und dann kommen Sachen aus deinem Mund wie „Tolles Wetter heute.“ Oder „Auch zum ersten Mal hier?“ Oder vielleicht sogar „Haben wir uns schonmal gesehen?“ Diese drei Fragen sind unserem Denker zuschulden und dies dürfen wir auch  akzeptieren. Aber versuche mal, das auszusprechen, was sich in einem Augenblick zeigt! Augenblick für Augenblick - natürlich. Manchmal denke ich auch „Hey, dass kannste so nicht sagen.“ Aber vielleicht ist das der Grund, warum es gesagt werden will. Worte verbunden mit achtsamer Kommunikation sind so erstaunlich. Unsere Worte sind besonders wertvoll, wenn wir anfangen, mit tiefer Authentizität zu sprechen und zuhören. Egal, auf welcher Seite wir uns befinden, ob als Zuhörer und Redender es sind immer Worte involviert. Da sind die Worte, die gesprochen werden und die Worte, die uns durch den Kopf gehen, wenn wir jemandem zuhören. Aber nicht nur das. Die Aufmerksamkeit des Zuhörers hat seine ganz eigene Sprache, die wiederum vom Redner wahrgenommen werden kann. Sie ist schlicht und einfach - getragen vom Seinszustand beider Parteien. Beide erhalten die Gabe des Anderen, indem sie sich ihre Aufgabe in diesem Augenblick zuwenden. Es gibt wirklich nichts weiter zu tun, als sich Präsenz hinzugeben. In anderen Worten, sich immer wieder gewahr zu werden, wo ich gerade mit meinen Gedanken, meinen Worten bin.

 

Wenn ich also als Zuhörer wahrnehme, dass ich jetzt unbedingt etwas sagen muss, dann habe ich immer zwei Optionen.

 

1. Ich unterbreche den Flow des Anderen oder...

2. Ich bemerke  den Zwang, die Sucht mir jetzt meinen Worten Gehör zu verschaffen.

 

Ich weiß, wir alle kennen das und erleben beide Seiten. Die des „Jetzt muss ich aber mal etwas sagen“ oder auch „Unterbrich mich doch nicht immer!“

 

Achtsame Kommunikation ist ein Tango, vielleicht sogar der Tanz auf einem Seil in 100 Meter Höhe. Wir müssen achtsam mit uns selbst und anderen umgehen, wenn wir wollen, dass keiner den unvermeidbaren Fall nach unten antritt. Selbst wenn nur einer die Balance verliert und fällt, so hat das Konsequenzen für den, der das Seil nun allein in Balance halten muss. Ob es nun die innere Kommunikation ist, die wir ständig mit uns selbst führen oder die mit einem anderen Menschen, die Mechanismen sind dieselben. Und darum lohnt es sich, Stille zu üben. Einfach mal zu erleben, zu erfahren, wie es sich anfühlt nicht der Gedanke zu sein, sondern der Beobachter Selbigen. Dazu braucht man Übung und diese kann jeder für sich selbst tun. Obwohl diese Übung so viel mit „Tun“ zu tun hat, wie das Leben mit leben. Es ist im Grunde „NICHTS-TUN“ und dies zu üben bedeutet SEIN zu praktizieren. Es sind keine Dinge, die wir lernen müssen. Nein, sie wurden uns bereits in die Wiege gelegt; allerdings abtrainiert und mit Neuem ersetzt. Vieles davon hindert uns zu sehen, wer wir sind, was wir sind - da wir ständig denken, und glauben zu wissen, was und wer wir sind. Es könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein.

 

Ich bin also nicht der, der eine Schreibblockade hat, denn das ist von der Realität und dem Inhalt dieses Augenblickes und letzten geschriebenen Seiten bewiesen. Wir sind nicht, was wir glauben zu sein. Das ist nur ein ganz gewiefter Trick unseres Geistes und der amüsiert sich darüber prächtig. Je mehr sich unser Geist durch solche gedanklichen Objekte definiert, umso stabiler wird er in seinem verrückten Dasein; was nichts mit Präsenz zu tun hat, sondern mit der daraus resultierenden Illusion – zum Beispiel dessen, was du glaubst zu sein. Wie wäre es mit „Nicht-Wissen“ zu müssen, wer ich bin? Mit einem Satz wäre ich hier, frei von den Goldklunkern dessen, was ich glaube zu sein oder sein zu müssen. Stattdessen bin ich absolut perfekt und vollkommen fertig, so wie ich bin. Kannst du die Freiheit darin sehen, ja vielleicht sogar die Liebe zum gegenwärtigen Augenblick und was es beinhaltet? Du bist der Augenblick, Augenblick für Augenblick. Du hast zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, das Tuch vor deinen Augen abzubinden, dem illusorischen Kino den Rücken zuzudrehen und dem Ausgang entgegenzugehen (Siehe Truman in dem Film „The Truman Show“).

 

Schließ an dieser Stelle die Augen und bemerke das Kinoprogramm. Hast du dich auch schon mal gefragt, warum ständig Wiederholungen gezeigt werden? Hast du dich auch schon mal gefragt, warum dieselben Schauspieler dabei sind und dieselben Filme laufen? Versuchs, nicht zu verstehen oder zu verhindern, sondern versuche vielleicht zu erkennen, dass du nicht der Film bist. Du bist weder der Held noch der Bösewicht. Du beobachtest einen frustrierten Autor, der immer die gleichen Drehbücher schreibt. Er denkt, dass der Film noch immer nicht perfekt ist, nicht gut genug ist. Er zeigt in seinem verschwitzten Hemd, dass der Film seine stärksten Kritiker nicht überzeugen kann, und so schreibt er weiter bis zu seinem Tod, nicht bemerkend, dass er dieser selbst ist. Es macht keinen Sinn, noch ist es nützlich, sich mit dem Drehbuchautor auseinanderzusetzen, denn in der Illusion steckt natürlich auch die Idee, dass du es selbst bist - der Schöpfer dieser unendlichen Filmserie.

 

Wenn du also weder Schöpfer noch Autor, weder Held noch Bösewicht bist, was bist du dann? Du bist der Augenblick, wenn du so willst, der gegenwärtige Moment, der die Fähigkeit besitzt, es zu bemerken, es zu sehen. Darüber musst du dir keine grauen Haare wachsen lassen, sondern dass was sich zeigt so sein lassen, wie es ist oder in anderen Worten gleichmütig zu betrachten. Wir haben oftmals keine Ahnung, was es bedeutet, etwas mit Gleichmut zu betrachten und dem Objekt dadurch die Möglichkeit zu geben sich darin aufzulösen. Es ist uns auf gewisser Weise fremd und dadurch verweigert sich ein innerlicher Zugang. Dies geschieht aber nur, wenn wir uns getrennt von unserer Erfahrung sehen. Heißt nicht das du die Erfahrung bist, sondern der, der es erlebt. In dem Augenblick, wo wir eine gemachte Erfahrung zu dem hinzufügen, von dem wir glauben, was wir sind, packen wir es unbewusst in das, womit wir uns identifizieren. Ja, wir definieren uns mit unserem Selbst, das in Wahrheit ein illusorisches Gebilde des Geistes darstellt. Dieses wird darum kämpfen zu überleben und sieht im unbewussten Umgang mit unserem Erlebten einen willigen Unterstützer. Und auch das ist wiederum Teil desselben Problems. Es kreiert sich selbst aus dem Verstand und schlussendlich sind wir alle davon betroffen. Jeder Mensch auf diesem Planeten lebt mit dieser, ich will mal, sagen fast unheilbaren Krankheit. Und doch ist es eine Krankheit, mit der wir uns arrangieren können, anstatt ihr ausgeliefert zu sein.

 

Du kannst im Grunde fast immer davon ausgehen, dass das was wir als gegeben und selbstverständlich ansehen in seinem Reichtum kaum zu überbieten ist. Es geht aber nicht ums Überbieten, sondern im Wertschätzen eines Augenblickes, Moment für Moment. Sieh die Blume auf der Wiese und beobachte, wie sie ihren kleinen Kopf Richtung Sonne bewegt. Bemerke vielleicht, wie sie sich sanft im Wind wiegt und fast zu zerbrechen droht, wenn eine starke Böe sie erwischt. Sie reckt sich wieder auf und tut es so lange, bis ihre Zeit gekommen ist. Voller Würde stirbt sie eines Tages, ohne sich dagegen zu wehren. Voller Anmut neigt sie ihren Kopf, als würde sie sich für das Leben und das Davongehen bedanken. Sie senkt sich immer weiter, bis sie am Boden liegt, ihre leuchtenden Farben verblassen, und friedlich eins mit der Erde wird.

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Dein SEIN Kolumnist Sven Kaven

✍️Schriftsteller, integrierter Achtsamkeitslehrer nach MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction), Menschen-Fotograf und Langstreckenwanderer. Sven tut, was er liebt. Er lebt die Leidenschaft des Lebens und geht mit Neugierde in die Geheimnisse, die ihm jeder Moment aufs neue zeigt ... Moment für Moment. Sven wird dich im 14-Tägige-Rhythmus auf eine Reise in das Thema; "Leben im Jetzt, mit Gewahrsein und Mitgefühl" - mitnehmen. Durch seine Arbeit als Achtsamkeitslehrer fließt die eigene „Mindfulness-Praktice“ in die täglichen Herausforderungen, die sich ihm aber auch allen anderen Menschen stellen.

 

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