Eine Pandemie des Verstandes

 Photo by Sven Kaven, in der Nähe von Lissabon, Portugal

 

Was soll ich sagen liebe Freunde des „SEIN-Netzwerkes“? Wir alle bekommen es mit. Die Pandemie des Verstandes greift um sich und Zugang zu dem, was unser Herz sagen möchte, scheint immer dünner zu werden. Diese 4. Kolumne hilft vielleicht dabei, die Kopflastigkeit des täglichen „Klarkommens“ nach unten zu korrigieren. In anderen Worten; bewegen wir uns mit unserer Aufmerksamkeit Richtung Süden und lauschen dem, was bisher nur als flüsterndes Gesäusel ankommt. Geben wir dem, dass wir scheinbar ignorieren für „8-Leseminuten“ unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.

 

* * *

Ich sitze heute Morgen an meiner Schreibmaschine. Sie ist ein einfaches Werkzeug, dass mir hilft, den vielleicht schwierigsten Artikel zu schreiben, den ich mir momentan vorstellen kann. Die Worte wollen nicht so recht auf dem weißen Blatt erscheinen und doch ist die Tinte bereit, seinen Eindruck zu hinterlassen. Am Ende geht es um nichts, außer dem gefärbten Abdrucken meiner Worte, die sich dem Leser präsentieren. Mein Herz bebt. Es ist ein starkes, ein lebendiges Herz, dass das bebende im Menschen ansprechen möchte. Doch es machen sich Zweifel breit; Zweifel, die nicht daran glauben, dass es sich lohnt eine Krise, die die ganze Welt im Griff hat durch die Brille des Mitgefühls, Angenommenseins und Respekt zu beschreiben. Und ja, lieber Leser, ich komme zum Punkt, selbst wenn die Eingangs gemachten Worte auf dem Papier, dass Licht der Welt erblicken, mussten.

 

Ich atme tief durch, als ob etwas in mir sagen möchte: „Vergiss den Quatsch. Die Welt erscheint so geteilt und voller Angst, dass selbst die Eindringlichkeit, kommend aus dem Herzen nichts bewegen wird.“ Eine andere Stimme sagt: „Schreibe so, wie du es sagen kannst und bemerke die, die voller Solidarität, Mitgefühl und Achtsamkeit, durch diese Krise gehen.“ Wie gehe ich durch diese schwierige Zeitund was macht Corona mit mir, wenn es überhaupt etwas mit mir macht?

 

Alles hat eine Konsequenz, egal was wir tun, nicht tun oder denken. Ich kreiere eine Welt durch die Brille, durch die ich sehe. Wir können auf ein und dasselbe schauen, und in jedem von uns läuft ein anderer Film ab. Es ist ein Film, in dem ich Hauptdarsteller, Regisseur und Komparse bin. Selbst den Schnitt führe ich am Filmzelluloid durch, dass ich auch zu sein schein. Ich werde zur Geschichte, die meinem Geist entspringt und „selbstverständlich“ meine Realität widerspiegelt. Und so sitzen wir allesamt in einem Kino, sehen anscheint dieselbe Vorstellung und doch sieht jeder von uns etwas anderes. Danach verlassen wir die Filmvorführung; gehen raus an die frische Luft und sind auf unterschiedlichste Art und Weise von den gesehenen „laufenden Bildern“ beeindruckt. Abgesehen, von Gedanken, fangen wir an, aus der Emotionalität des Körpers uns mitzuteilen – und diese unterscheiden sich nicht so sehr. Wir alle wissen, wie es sich anfühlt Trauer zu empfinden. Wir haben in unserem Leben erfahren, wie sich Freude und Enttäuschung anfühlt. Wir kennen unsere emotionalen Fähigkeiten, ohne diese zu trainieren. In anderen Worten; wir haben „Common Ground“ und eine Basis „Des Einander Verstehens“, dass wir geflissentlich ignorieren. Unser identifizierter Verstand liebt es, sich von anderen Gedanken getrennt zu halten. Und so werden Meinungen, Urteile und Sichtweisen ausgesprochen, zurückgewiesen, bekämpft und dafür sogar in den Krieg gezogen. Der Geist übt seine Überlebensstrategie, indem er diesen Pfad begeht. Würde unser Denker in Gleichmut akzeptieren und lieben, so gäbe es nichts um einen Gedanken am Leben zu erhalten. Er würde schlicht und einfach sterben.

 

Es ist extraordinär und doch ist es Teil unserer menschlichen Existenz (geistige Inbesitznahme) auf diesem Planeten, der zudem von einer gewaltigen Krise heimgesucht wird.  So wie Corona, sich wie eine Tsunami, Welle nach Welle, über den Erdball rollt, so erleben wir eine Pandemie des Verstandes. Der Geist macht keine Pause, bis sich Aspekte seiner Kriegsführung im Außen zeigen. Der Witz dabei ist, dass wir unsere Welt in innerer Wahrnehmung kreieren und eine Form der Aggressivität und Gewalt in Richtung anderer Menschen entwickeln. Es braucht uns nicht verwundern, dass wenn wir Aggressivität im Inneren nähren, sich diese im Außen zeigen wird; wobei es dabei keinen wesentlichen Unterschied in der Erlebbarkeit gibt. Was sich unterscheidet, sind die Konsequenzen, mit denen wir im Einzelnen zu leben haben. Eine rein „egoische“ Sichtweise auf das Leben, ist immer eine eingefärbte Variante Selbigen. Es hängt sich an Lebensumständen auf, die wiederum bewertet werden. Ein aus dem Verstand kreiertes Leben wird nicht erkennen, dass sich alles in einer Blase der Unbeständigkeit bewegt. Stattdessen hechelt es danach, Unbeständiges zu fixieren, es in seinem Zustand einzufrieren. Hier liegt das größte Dilemma der Menschheit und macht sich insbesondere in globalen Krisen auf brutalste Weise bemerkbar. Es entstehen Dramen, die es so nicht geben würde und in Wahrheit auch nicht gibt. Sie spielen sich in unserem Geist ab und Selbiger macht ne große Sause und „hält dabei die Abstandsregeln nicht ein“.

 

Was gibt es für uns zu tun? Es gibt nichts zu tun; das ist es ja.

 

Wir leben und und dürfen Lebendigkeit erleben. Wir wissen es, aber vor allem spüren wir es. Unsere Herzen schlagen, die Brust hebt und senkt sich, durch die Fähigkeit, ohne bewusste Einflussnahme atmen zu können. Stelle dir vor, du müsstest dich daran erinnern, zu atmen. Der Konsequenz würdest du dir schnell bewusst werden. Und so haben wir in uns etwas Wundervolles integriert. Es ist des Menschen Fähigkeit Mitgefühl erleben und äußern zu können. Mitgefühl macht dabei keinen Unterschied zwischen denen die an einer Krankheit leiden oder denen, die sich kritisch mit den Folgen einer Krankheit oder Pandemie beschäftigen. Es gibt keine Lager, die getrennt von einander sich die Köpfe einrennen. Was existiert, sind Gedanken über die sich Menschen auf Grund unseres menschlichen Dilemmas (Identifikation mit Verstand und dem nicht Erkennen des Gedankenmusters) identifizieren.

 

Schau dir eine Blume, oder ein Kornfeld an und bemerke, dass du die Präsenz ihrer Existenz genießen kannst. Bemerke vielleicht auch, dass Freude sich zum Ausgang begibt, so bald unser Verstand anfängt Blumen nach ihrem Aussehen zu bewerten: „Ja, diese ist schön aber die braune, verwelkte Rose dort drüben, sieht nicht schön aus.“ Und so verhält es sich mit allem im Leben. Wir fangen an, den „Bewertungs-Motor“ zu starten, und merken dabei nicht, dass wir uns wieder verabschiedet haben. Das heißt nicht, dass wir die Welt nicht in unserem Sinne gestallten können; sie zu einem achtsameren und liebevolleren, aber vor allem mitfühlenderen Planeten zu bewegen.

 

Es ist nie: „Die gegen uns.“ Oder „Wir gehen die.“ Es ist immer nur: „Ich gegen ich.“

 

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Sven Kaven, 24. April 2021

 

P.S. Im August 2021 starte ich das Training zu "Schreibe Dich Leer", hier auf dem SEIN Netzwerk. Falls du dabei sein möchtest, komme bereits jetzt in unsere Facebook Gruppe. Über diesen Link kommst du zu uns!

 

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Dein SEIN Kolumnist Sven Kaven

✍️Schriftsteller, integrierter Achtsamkeitslehrer nach MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction), Menschen-Fotograf und Langstreckenwanderer. Sven tut, was er liebt. Er lebt die Leidenschaft des Lebens und geht mit Neugierde in die Geheimnisse, die ihm jeder Moment aufs neue zeigt ... Moment für Moment. Sven wird dich im 14-Tägige-Rhythmus auf eine Reise in das Thema; "Leben im Jetzt, mit Gewahrsein und Mitgefühl" - mitnehmen. Durch seine Arbeit als Achtsamkeitslehrer fließt die eigene „Mindfulness-Praktice“ in die täglichen Herausforderungen, die sich ihm aber auch allen anderen Menschen stellen.

 

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