Ein Stein auf dem Weg

Video by Sven Kaven, Galizien 2020

 

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PERSÖNLICHE WORTE

 

Liebe Community. Hier nun meine sechste und letzter SEIN-Kolumne. Es war mir bis zum heutigen Tage ein Vergnügen, für euch zu schreiben, euch an meinen Ideen und Sichtweisen zum „Leben im Jetzt“ teilhaben zu lassen. Schreiben ist für mich etwas ganz Besonderes. Es gibt mir ein Gefühl von Lebendigkeit; ein Gefühl über das Erlebte ohne Handbremse berichten zu können, ja noch nicht mal ein bestimmtes Ziel damit verfolgen zu müssen. Nach sechs Beiträgen ist nun allerdings Schluss und ich möchte mich mit 100% Aufmerksamkeit meinem 3. Buch zuwenden. Diese Kolumne symbolisiert auch das Ende meiner Mitgliedschaft im SEIN-Netzwerk und aktiven Partizipation in Events. Ich habe für mich einfach feststellen können – und das nicht, erst seit es das Netzwerk gibt, dass „SEIN“ vor allem eine Übung von „PRÄSENZ“ ist. Diese Übung ist so individuell wie das bemerken, des Fallens einer Stecknadel. Übung für Präsenz braucht Präsenz. Darüber reden tut in den meisten Fällen nur den Geist, der ehe nur alles wieder in seinen Farben wiedergibt. Dieses Verhalten ist ganz normal und nichts, worüber man sich sorgen muss; aber man darf es bemerken. Okay, hier nun aber mein letzter Artikel für die SEIN-Kolumne. Vielen Dank – und ich bin dann mal weg!

 

EIN STEIN AUF DEM WEG

 

Wie immer starte ich das Schreiben auf diese Art. Ich beginne damit, dass ich mir als Erstes erlaube den ganzen Moder, die braune Brühe und das, was mich stoppen möchte aus dem gegenwärtigen Augenblick zu sprechen, auszuschreiben. Das, was sich mir in den Weg legt, ist nicht das, was sich darüber gewahr ist, dass es mich in meiner Kreativität stoppt. Es ist das, was glaubt, für sein Überleben kämpfen zu müssen. In anderen Worten, das, was auf das Papier möchte, ist im Grunde das, was gesehen, respektiert und akzeptiert werden will, bevor das Feine, das Lebendige in mir sich auf den Weg an die Oberfläche machen kann.

 

Im Grunde verhält es sich mit allem im Leben so. Wenn ich glaube, dass der Stein, der sich mir in den Weg legt, mein Leben ist, dann gehe ich davon aus, dass mein Leben dieser Stein ist – ein Gegenstand, eine Form, die aussagen möchte, dass Leben unförmig, hart, schwer und unbeweglich ist. Er liegt mir im Weg. Dabei könnte ich um den Stein gehen. Ich könnte über den Stein schauen und sehen, was sich dahinter verbirgt. Wenn ich kräftig genug bin, kann ich sogar versuchen, den Stein aus dem Weg zu räumen. Aber jetzt kommts. Was wäre, wenn ich statt der drei Möglichkeiten eine völlig neue, eine vielleicht sehr präsente Wahl treffe. Ich akzeptiere den Stein für das, was er ist, sehe mir das Objekt an, berühre es, erkunde voller Neugierde seine Form oder Beschaffenheit. Ich bemerke möglicherweise den Gedanken: „Ach dieser blöde Stein; warum liegt der mir jetzt im Weg.“ Was wir verstehen dürfen ist, dass der Stein nun einmal hier ist. Er liegt nicht im Weg, sondern ist Teil des Weges, er behauptet nicht etwas zu sein, um mich von meinem Weg abzubringen oder aufzuhalten. Es ist einfach nur ein Stein, der in diesem Augenblick, wahrscheinlich Jahrmillionen alt – geformt durch wind und wetter, durch die Anziehungskraft der Erde an dieser Stelle liegt und sich unseren Gedanken weder widersetzt, noch sie in Frage stellt. Der Stein, er „IST“ einfach.

 

Wir dürfen das, was sich als Hindernis oder als unüberwindbar zeigt, genauso in unserem Leben begrüßen, wie das, was sich anscheinend leicht, beweglich und passend zu meiner momentanen Lebenssituation. Es ist tatsächlich möglich, dass wir mitunter Widerstand zu etwas aufbauen, dass im Grunde einen Wegweiser darstellt. Widerstände; ob Steine, Beziehungsprobleme, Geldsorgen, Enttäuschungen (menschlicher Natur oder selbst), Angst oder auch das Einteilen der Welt in Kasten oder Seiten, die sich anscheinend in ihren Sichtweisen antagonistisch gegenüberstehen – sind für uns hier, weil wir sie erleben. In anderen Worten, ich würde meine Gedanken, die sich identifiziert mit einer Idee die ich habe, ja auch nicht wegschmeißen oder aus dem Weg räumen, wenn er schon da ist, oder? Ach nein, stimmt ja. Genau das tun wir aber jeden Tag, jede Stunde, nein im Grunde fast jede Sekunde unseres Lebens. Was uns daran hindert, es zu bemerken ist, dass wir uns des „Weg-Haben-Wollens“ nicht gewahr sind. Es klingt so unschuldig und viele von euch Lesern sagen jetzt vielleicht sofort: „Also nein, mir passiert so etwas nie, oder ich bemerke es ständig und akzeptiere, was immer sich mir in den Weg legt.“ „Think again“ oder besser, denke nicht. Der Gedanke, dass mir so etwas nie passiert, ich ja so oder so bin, der Meister des Akzeptierens und Bemerkens, so darfst du auch diesen Gedanken bemerken.

 

In einfachen Worten gesagt: „Glaube nichts, was sich aus deinem Verstand, dem ständigen unruhigen Geist, an die Oberfläche begibt.“ Damit will ich nicht sagen, dass unser Verstand nicht wundervolle Aufgaben lösen kann. Natürlich kann er das, er ist ein erstaunliches Werkzeug. Jedoch dürfen wir bemerken, dass unsere Gedanken mit großer Sicherheit für genau diese „Sich-In-den-Weg-Legeneden-Steine“ verantwortlich sind. Man könnte sagen, wir kreieren sie, wir manifestieren sie, indem wir sie umgarnen, ihnen eine Geschichte überstülpen, damit sie in ihrer Plastizität an Kraft gewinnen und nicht nur das „Selbst“ in mir überzeugen, sondern auch noch die Menschen, mit denen ich mich umgebe.

 

Ist es nicht so lieber Leser, dass wir einem sagenhaften und zuckersüßen Missverständnis von „Leben“ unterliegen? Ist es nicht so, dass wir in meisten Teilen so bald wir in Widerstand mit dem gehen, was Präsent mit uns ist, dass wir uns dem Leben gegenüber „Lebendsfeindlich“ verhalten. Wir erklären im Grunde der „Gegenwärtigkeit eines Augenblicks“ den Krieg, ziehen in Selbigen und fühlen uns an irgendeiner Steller erschöpft, missverstanden, betrogen oder sogar an den Rand der eigenen Lebbarkeit des Lebens gedrückt. Was für eine Illusion. Geboren aus dem Missverständnis des unruhigen Geistes, der keinen Frieden kennt, so lange er sich an der Quelle der Unruhe labt. Er glaubt, Komment aus der Identifikation mit sich selbst und den Formen, mit denen er sich umgibt und wiederum identifiziert, kreiert unser Verstand eine Welt, die überleben muss. Dafür wird er alles tun. Dafür würde sich der Geist selbst aus dem Leben nehmen, ohne zu wissen, dass es sein Ende bedeutet. Wir dürfen eines nicht vergessen. Identifikation mit dem Verstand, Gedankenmustern etc. ist kein wirklich lebendiger Konstrukt, sondern eine Wahrnehmung, die sich aus der Unbewusstheit heraus manifestiert. Wir geben ihr Lebendigkeit und für viele Menschen spielt sich das Leben in genau diesem Netz von Werten und Identifikationen ab. Man könnte auch sagen, sie leben einen Traum.

 

Um es etwas mehr zu relativieren. Jeder Mensch kann perfekt in diesem „State of Conciousness“ leben. Kein Problem, und doch ist es eine Traumwelt, in der das Leiden, als Mittel zum Erkennen für bewusstes Leben hochstilisiert wird. In anderen Worten, Leiden zeigt uns eigentlich nur, dass „Leiden“ nicht nötig ist, nicht gebraucht wird. Es zeigt uns stattdessen einen Weg, unsere „Wegweiser“ zu erkennen, sie zu umarmen, wenn du willst und ihnen die Aufmerksamkeit zu geben, anstatt sie aus unseren Leben zu verbannen. „Leiden“ entsteht dann, wenn wir in den Widerstand zu dem gehen, was mit uns ist. Jede Form von Widerstand kann das bestätigen. Menschen ziehen in den Krieg, um einer Idee (Gedanke) zu entsprechen, oder den Ideen des Gegners (Sichtweise zu Gott zb.) zu widersprechen. Andere wollen ihr „RECHT“ durchsetzen, weil sie glauben, dass sie im „RECHT“ sind. Andere wiederum gehen in den Widerstand, um ihr „UNRECHT“ zu verteidigen, aus Angst vor Repressalien usw. Ich könnte diese Aufzählung ohne Ende weiterführen und doch wäre es keine Anleitung oder Spickzettel zum Überprüfen meiner Bewusstseinslevel. Dieses wäre wiederum nur die Idee meines Verstandes, damit dieser sich von anderen Menschen trennen oder zumindest abheben kann. Im Grunde kannst du immer davon ausgehen, dass so bald du bemerkst, dass etwas in dir sich von einer Masse (Kollektiv), Individuum (Mensch oder Tier) abheben möchte, du dich auf dem Holzweg befindest, dem Verstand in seinem Drang nach Einzigartigkeit aufgesessen bist.

 

Kannst du den Stein, den Gegenstand, der sich dir in den Weg legt bestehen lassen und ihn mit Neugierde betrachten? Ja, du kannst es, denn es ist uns angeboren. Wir haben es einfach nur vergessen. Doch mache dir keinen Druck! Wir sind auf diesem Planeten, um zu leben. Dieser Prozess des Wiedererlernens eines bewussten Lebens ist die Aufgabe, die wir erfüllen. Als Kollektiv und Individuum, Augenblick für Augenblick. Mal gelingt es uns gut und ein andermal scheinen wir uns schwer damit zu tun. Wenn das der Fall ist, so sind wir in diesem Augenblick genau damit.

 

Ich wünsche dir ein wundervolles Leben.

Sven Kaven, 08. Juni 2021

 

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Dein SEIN Kolumnist Sven Kaven

✍️Schriftsteller, integrierter Achtsamkeitslehrer nach MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction), Menschen-Fotograf und Langstreckenwanderer. Sven tut, was er liebt. Er lebt die Leidenschaft des Lebens und geht mit Neugierde in die Geheimnisse, die ihm jeder Moment aufs neue zeigt ... Moment für Moment. Sven wird dich im 14-Tägige-Rhythmus auf eine Reise in das Thema; "Leben im Jetzt, mit Gewahrsein und Mitgefühl" - mitnehmen. Durch seine Arbeit als Achtsamkeitslehrer fließt die eigene „Mindfulness-Praktice“ in die täglichen Herausforderungen, die sich ihm aber auch allen anderen Menschen stellen.

 

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